Museum im Wald

1. Eva Ammermann | Gastsinger
Etwa die Hälfte der weltweit 10.000 Vogelarten macht sich regelmäßig auf den Weg und legt weite Strecken auf der Suche nach Nahrung zurück. Das internationale Ziehen der Vögel wird durch Begrenzungen und Hindernisse wie Windräder und künstliche Lichtquellen erschwert. Durch den Klimawandel verschieben sich Lebens- und Überlebensstrukturen. Es stellt sich die Frage nach Heimat- und Staatenlosigkeit. Papageien hingegen leben bislang noch unfreiwillig in unserer Region. Als Klanginstallation wird diese Vision im Rülauer Forst orchestriert.

2. Sabine & Christian Egelhaaf | Der Bau
Ein 6m hoher roter Quader steht als Bauwerk und Fremdkörper im Wald. Der Veränderungsprozess beginnt. Die rote transparente Farbe der Gewebefläche wird im Laufe der Zeit durch das Licht der Sonne in einen Grauton verwandelt. Der starke Komplementärkontrast zwischen dem BAU und dem Grün der Bäume löst sich auf. Der anfängliche Kontrast spiegelt die gegensätz-lichen Interessen bei der Nutzung des Waldes: Naturschutz, Holzwirtschaft, Jagd, Sport, Erholung.

3. Heidemarie Ehlke | Hüter der Lichtung
Wald – das ist ein sagenumwobener Raum des Dunklen und Verborgenen. „Lichtung" galt seit jeher als Durch-bruch aus dem Verborgenen zur Wahrheit, dadurch, daß der Kronenschluss der Bäume, der geschlossene Horizont unseres Weltverständnisses unterbrochen und der Himmel sichtbar wird. Der Eintritt in die Lichtung aus dem Verborgenen, das ist der Weg zur Wahrheit, so heißt es. Aber wem begegnen wir in der Lichtung? Ist es Schein oder Wirklichkeit? [Rüdiger Lunkeit]

4. Atif Gülücü | Schwarzes Licht, weiße Schatten
Weiße Kreise aus verschiedenen Lagen Papier, auf denen Tropfen von roter Farbe zu sehen sind, säumen die Bäume. Die weißen Kreise symbolisieren Hoffnung, Frieden und Reinheit. Die roten Flecken auf den weißen Kreisen stehen für die für uns unsichtbaren Schmerzen der Bäume durch die Umweltzerstörung.

5. Hundefaenger | place for watching the sky
Wenn Sie nach 20 km Fußmarsch mit schwerem Gepäck noch eine große Installation machen wollen, dann können Sie das gerne tun. Ich gebe mich damit zufrieden, Totholz zu einem Platz zu ordnen.
Ich mache nichts anderes, als die Lage von Materialien zu verändern. Ich stelle, ich staple, ich stecke, ich binde, ich lege und manchmal hänge ich auch Dinge auf. Das ist alles ganz einfach! Die Zeit und die Natur bringen alles „nullkommanichts" wieder in Ordnung.

6. Ralf Jurszo | Ich sehe was, was du nicht siehst
In einer Reihe von Schautafeln sind kleinformatige Reproduktionen von gemalten Waldbildern aus vier Jahrhunderten zu sehen. Die Reihe beginnt mit Albrecht Altdorfers „Laubwald mit dem heiligen Georg". Es sind Angebote an die Betrachter, den realen Wald zum historischen Bild eines Waldes unmittelbar in Beziehung zu setzen, um zu erkunden, ob und wie die gezeigten künstlerischen Imaginationen auf die eigene Vorstellung von „Wald" einwirken können oder dies vielleicht schon längst getan haben.

7. Ulrich Mattes | Drei versteckte Küsse im Unterholz
Dem Akt der Musealisierung von Kunst liegt meist die Konzeption zugrunde, aktuell hervorragende Werke der Berührung zu entziehen und sie unbeschadet durch die Zeit zu schleusen, in der Hoffnung, uns dem Kunstwillen des Menschen, der „Urkunst" näher bringen. Überlassen wir den Wald sich selbst, wird er uns dann dem „Urwald" näher bringen? Oder handelt es sich nur um eine weitere Geschäftsidee der Urbarmachung von Natur als Picknickplatz?

8. Inga Momsen | Märchenfrisuren
An drei Stellen im Rülauer Forst geht Inga Momsen mit Objekten auf die Umgebung ein, um den Raum neu zu begreifen. Wolle ist hierbei der „rote Faden" zwischen dem vorgefundenen Ort und ihren Arbeiten. Indem Wolle und Tauwerk mit organischen Materialen, wie Blättern, Ästen, Gräsern und Blumen verwoben werden, entwickeln sich neue Interpretationen von bekannten Märchen. Die Hauptfiguren bekannter Märchen sind auf ihre Frisuren reduziert. Hänsel und Gretel, Rotkäppchen und Schneewittchen sind Ausgangspunkt dieser Arbeit.

9. Arno Neufeld | WeissWäsche
Drei handelsübliche Wäschespinnen sind mit weiß getünchten Ästen bestückt. Die Anordnung der Äste variiert von Wäschespinne zu Wäschespinne. Neben geometrischer Strenge stehen spielerisch Astgabeln und Verwachsungen. Ein Hauch Absurdität spielt bei dieser Installation mit, die uns im „Urwald" unerwartet mit unserem oft übertriebenen Hang zur Reinlichkeit und Ordnung konfrontiert.

10. Jakob Perko | Handygezwitscher
An den Wegeskreuzungen findet der Besucher Tafeln mit Telefonnummern. Wählt er beim Spaziergang oder von Zuhause aus eine dieser Rufnummern an, so piept es aus dem Wald. Eine interaktive Installation, die mit Humor die Lockrufe der Vögel mit dem Kommunikationsverhalten der Menschen über das Mobilfunktelefon in Verbindung bringt. Eine Arbeit die daran erinnert, dass auch im Naturschutzgebiet der Mensch stets seine Welt bei sich führt. Im Wald ist niemand allein...

11. Tamer Serbay | Ohne Titel
Eine Installation aus papiernen Einkaufstüten. Seit Jahrmillionen entstehen neue Pflanzen und Tiere und sterben wieder aus. Das ist der Lauf der Evolution und ein natürlicher Prozess. Seit dem der Mensch begonnen hat, sich die Natur Untertan zu machen, hat der Prozess des Aussterbens zugenommen. Wir haben Sümpfe trocken gelegt, Flüsse begradigt, Wälder gerodet und mit Insektiziden haben wir tausenden Tieren und Pflanzen die Lebensgrundlagen geraubt. Die Bäume haben ihre Habseligkeiten aus Laub und Papier eingepackt und sind im Begriff uns zu verlassen.

12. Carsten Klook | Korrektor
Der 1959 in Hamburg geborene Schriftsteller und Kulturjournalist Carsten Klook, der 2007 Stipendiat im Künstlerhaus Lauenburg war, liest im Rülauer Forst aus seinem experimentellen Roman „Korrektor", erschienen im Textem Verlag, ISBN 978-3-938801-03-1.
Samstag, 26. September | 16 Uhr | Treffpunkt Schützenhalle