Eva Ammermann | Liebe Schwerstern, ... 
Reisende, die sich auf die Bank im Bahnhofsgebäude setzen, werden ein letztes Mal fürsorglich von den Helferinnen der Bahnhofsmission auf den Schoß genommen. Spätaussiedler oder Rentner auf Verwandtenbesuch, die zur Zeit der innerdeutschen Grenze diesen Bahnhof Richtung Westen passierten, wurden von den Missionsschwestern herzlich mit Kaffee, Südfrüchten und Schokolade begrüßt. Weniger willkommen waren 331 Roma, die vom 17. - 21. November 1959 hier in abgehängten Eisenbahnwagons zurückblieben und lebten.

Christian Egelhaaf | RäderWerk
Fünfzehn unterschiedlich große Räder werden vom Wind angetrieben. Wechselnde Überschneidungen ergeben sich beim Gegeneinanderlaufen der Räder in unterschiedlichen Geschwindigkeiten.. Der Eindruck eines funktionierenden Systems entsteht – wie bei einem Uhrwerk mit ineinander greifenden Zahnrädern oder auch wie bei einer alten Lokomotive mit vielen Rädern.

Sabine Egelhaaf | Prellbock
Ein mit Gewebe bespannter Quader wird von vielen Stangen gehalten. Die Form erinnert an einen Prellbock. Chaos und Ordnung, Bewegung und Stillstand finden in der Anordnung des Gestänges mit dem geometrischen Körper ihren Ausdruck. Der überdimensionierte, aus weißen Bambusstangen gebaute Prellbock erscheint im Dickicht der Grünfläche zwischen den Gleisen vergessen, funktionslos, sinnlos ...

Heidemarie Ehlke | EinheitsLösung
Alles strebt zur Einheit: der Einzelne mit sich, die Liebenden zum Paar, die Völker zur weltweiten Menschengemeinschaft. Und zugleich strebt alles zur Grenze. Denn Einheit bilden heißt Grenze ziehen. Also ziehen wir Schleifen, lemniskatisch, immer wieder neu, Einheit lösend, Grenze schaffend. Ich bin die Einheit, die sich jenseits der Grenze sucht ... [Rüdiger Lunkeit]

Manfred Eichhorn | mixed points looking for ...
Verschiedenfarbige Knetmassepunkte wandern in einander, vermischen sich an einer dezentralen Stelle und laufen jeweils an der gegenüberliegenden Seite aus. Es entstehen Schwarmdynamiken.

Thomas Graff | Spurensicherung
Im Bahnvorsteherbüro werden Hinterlassenschaften der Bahn aufgebaut, die irgendwann eine Bedeutung für den Betrieb hatten, heute allenfalls Sammler interessieren. Alle Gegenstände erfüllten zu ihrer Zeit zweckgerichtet ihre Aufgabe. Auch das Moderne ist irgendwann überholt und dem Verfall oder Abriss preisgegeben. Für dieses Memento ist der Hofnarr im Rollstuhl zwischen die Hinterlassenschaften gestellt.

Ralf Jurszo | Grenzgänger
In der Draufsicht auf die etwa 15 m lange Zeichnung kann man den Verlauf der ehemaligen innerdeutschen Grenze erkennen. Die Anordnung der Linien lässt ein begehbares „Niemandsland“ frei. Eine Hinweistafel erläutert dem Interessierten die Benutzung der Zeichnung. So kann der Vorgang des Gehens sich in eine Meditation über das Verschwinden verwandeln. Eine ideale Übung, wenn man auf den nächsten Zug wartet.Wettereinflüsse und das Begehen der Linien werden diese verschwinden lassen.

Astrid Kruse & Mirko Schwartz | ser_o7 
Mit der Vorstellung, dass öffentliche Räume von ihren Nutzern als Spielraum begriffen werden können, haben wir kleine portable elektromechanische Maschine entwickelt, die für temporäre Einsätze an unterschiedlichen Orten konzipiert wurden. Durch einen rhythmisch programmierbaren Auswurfmechanismus werden kleine Zettel ausgeworfen. Und was befindet sich auf den Zetteln?

Ulrich Mattes | Weicheln
Die Haushalte der ehemaligen Eisenbahnersiedlung im Quellental werden vorab eingeladen, in ihrer jeweiligen „Haushaltssprache“ ein Statement zum Stellenwert von Kunst & Kultur in ihrem Leben zu geben und dies handschriftlich in ein vorbereitetes „Zertifikat“ einzutragen, das dann in gerahmter Form in ihren Besitz übergeht. Vor ihrer Haustüre zeichnen Sie mittels Kreidespray eine freie Form und erzeugen ein temporäres Muster durch ihr denkmalgeschütztes Quartier.

Tim Adam | KinderKunstAktion
ZEICHEN setzen? Na LOGO!
Firmen- und Vereinslogos, Verkehrsschilder und Warnhinweise führen uns, verlocken oder warnen in reduzierter Form. Schon Kinder haben Zeichen, die mit Assoziationen verknüpft sind: Herz für Liebe, Sonne für Frohsinn. Jugendliche, haben eigene Zeichen, die ihnen wichtig sind oder eine besondere Bedeutung für sie haben: Neben den Logos von Firmen der Markenkleidung oder Musikgruppen sind es Grafittis, „social tagging“ als Grenzzeichen und Ausdruck von Lebensqualität, an Wänden und markanten Punkten des öffentlichen Raums. Gerade Bahnhöfe, Orte mit einer starken Fluktuation und einem großen Publikum sind oft genug Ziel solcher „Schmierereien“.

Die KinderKunstAktion gibt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Zeichen her- und auszustellen: Auf Hartfaserplatte gezeichnet, bunt ausgemalt oder ausgesägt, werden die Zeichen mit einem Pfosten versehen und in einer eigenen Ausstellung aufgebaut. Der „Künstler“ und die Bedeutung des Zeichens werden einem Hinweisschild vermerkt.

Mitzubringen ist ein Malerkittel oder Arbeitskleidung (die Farben sind echt!). Alles andere, wie Material und Farben, aber auch Getränke werden gestellt.